Haus im Viertel

In jeder größeren Stadt gibt es sie: Bunte, sogenannte Multi-Kulti-Viertel, lebendige Stadtteile mit Ladengeschäften, Gastronomie, Kultur und Resten alten Handwerks, in denen Geschäftsleute, Künstler, viele junge Leute und Akademiker mit ihren Familien sowie auch einige suspekte Gestalten friedlich koexistieren und - nicht zu vergessen - viele alteingesessenen Menschen, die dort schon ihr Leben lang wohnen.
In diesen Stadtteilen herrschen gute Voraussetzungen für ein Wohnprojekt im Stil "Wohnen mit Service", das sich zum Stadtteil hin öffnen und Kooperationen mit Initiativen und Institutionen vor Ort eingehen kann.
Auf dem Grundstück einer ehemaligen Brotfabrik mitten im Steintorviertel verwirklichte die Bremer Heimstiftung ein solches quartiersbezogenes Konzept mit dem Wohn- und Serviceprojekt "Haus im Viertel". Im Bremer Steintorviertel, einem Stadtteil auf den die oben genannte Klassifizierung zutrifft, bestand Bedarf an barrierefreien Wohnungen für ältere und/oder behinderte Menschen, denn er ist geprägt vom typischem "Bremer Haus": Schmalbrüstige, mehrstöckige Häuser mit engen Treppen.

 

Ausgangslage / Problemstellung:

  • Im Bremer Steintorviertel, einem Szene-Viertel mit vielen alteingesessenen älteren Menschen, bestand Bedarf an barrierefreien Wohnungen für ältere und/oder behinderte Menschen.
  • Der Stadtteil ist geprägt vom typischem "Bremer Haus" aus den Baujahren zwischen 1900 und 1930, schmalbrüstigen, mehrstöckigen Häusern mit engen Treppen.
  • Es gab ein zu geringes Angebot an Pflegeplätzen und kein spezielles Wohnangebot für ältere oder behinderte Menschen im Stadtteil.
  • Es wurde eine Nutzung bzw. ein Investor für ein Grundstück mitten im Quartier gesucht.
  • Die Bremer Heimstiftung entschied sich für ein Angebot "Wohnen mit Service", weil vielfältige Bedürfnisse Älterer damit abgedeckt werden.


Ziel

  • Ältere und/ oder behinderte Menschen sollen auch im Fall zunehmender Hilfsbedürftigkeit in ihrem vertrauten Stadtteil wohnen bleiben können.
  • Dort, wo die Menschen schon immer leben, werden barrierefreie Wohnungen mit Service-Angebot errichtet.
  • Diese Wohnangebote setzen auf "Normalität", d.h. selbstbestimmtes Wohnen in der eigenen Wohnung, solange wie möglich und gewünscht, Prävention, Sicherheit und
  • Geborgenheit, Unterstützung des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten, die Vermeidung von Vereinsamung.
  • Durch das Leben in der Gemeinschaft /im Stadtteil wird das soziale Umfeld, insbesondere der Kontakt zu Nachbarn und Freunden, erhalten bzw. wieder hergestellt (Es ergeben sich neue Kontaktmöglichkeiten zwischen Jung und Alt).Heim- und Klinikaufenthalte werden vermieden oder hinaus geschoben.
  • Im Vordergrund steht nicht der Dienstleistungsgedanke, sondern die Förderung von Nachbarschaften innerhalb und außerhalb des Hauses.


Strategie

  • Diese Ziele werden einerseits durch die innere Organisation des Projekts selbst und andererseits durch die Zusammenarbeit mit Partnern verwirklicht.
  • Durch die Ansiedelung von Kooperationspartnern im Projekt entsteht ein Kompetenzzentrum für den Stadtteil, das auch andere Interessengruppen erreicht und für "Durchlässigkeit" zwischen Stadtteil und Wohnprojekt sorgt.
  • In dieselbe Richtung wirken Kooperationen mit Trägern außerhalb des Projekts, die Betreuungsaufgaben oder kulturelle Aktivitäten im Quartier durchführen.
  • Darüber hinaus werden Wohnangebote für andere Gruppen, z.B. junge Menschen mit Behinderungen, integriert und entsprechende Treffpunkte für Quartiersbewohner eingerichtet.


Meilensteine

  • 1997: 1. Bauabschnitt. Grundsteinlegung für einen Neubau mit 50 Wohnungen für ältere Menschen mit dem Konzept "Wohnen mit Service" (WmS BHS), sechs Wohnungen sowie eine Wohngemeinschaft (vier Plätze) für körperbehinderte junge Menschen (AKZENT-Modell der Paritätischen Dienste (PD) mit Pflegestützpunkt (Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft und ambulanter Pflegedienst).
  • 2000: 2. Bauabschnitt. Erweiterung um 25 Wohnungen für ältere Menschen (WmS der BHS).
  • 2005: Gründung eines gemeinnützigen Vereins "FundamtTreffen e. V." von Mietern, Nachbarn, Angehörigen und Freunden des Hauses.
    "Kleiner Meilenstein": Nachbarn von außen wünschen einen Betreuungsvertrag mit  der BHS.
  • Juli 2006: Einzug des Dienstleistungszentrums des Deutschen Roten Kreuzes.
  • August 2006: 3. Bauabschnitt. Einzug des Montessori-Kinderhauses; Bezug von weiteren elf neuen Wohnungen im "Wohnen mit Service".
  • November 2006: Im EG: Fertigstellung des "Alten Fundamtgebäudes"; Eröffnung der Cafeteria des Vereins "FundamtTreffen e. V." als Begegnungsstätte; 1. OG: Einzug der VHS und des Buddhistischen Zentrums SGI; 2. OG: Wohngemeinschaft für acht Mieter mit Demenz; Dachboden:  zwei Wohnungen.


Akteure

  • Bremer Heimstiftung als Initiator
  • "Alle die ein- und ausgehen"
  • Kooperationspartner


Umsetzung

Die Realisierung des Quartiersprojekts "Haus im Viertel" erfolgt auf zwei Ebenen:

  • Bau und Betrieb der Wohn- und Dienstleistungseinrichtung (drei Bauabschnitte)
  • Vernetzung dieser Angebote mit weiteren Diensten und Einrichtungen im Quartier

Initiator und Motor auf beiden Ebenen ist die Bremer Heimstiftung. Sie ist gleichzeitig Eigentümer der Einrichtungen und Anbieter von Diensten. Die Kooperationen mit den im Haus befindlichen Trägern und Gruppen bieten ein breites Spektrum von Angeboten (Dienstleistungen, Pflege, Betreuung, Kultur, Bildung) für Menschen in jedem Lebensalter. Besondere Bedeutung haben nachbarschaftliches Engagement und gemeinsames Handeln.


Bürgerbeteiligung

  • Die Bewohner des Quartiers wurden regelmäßig zum Stand der Planung informiert und zur aktiven Beteiligung und ehrenamtlichen Mitarbeit aufgerufen.
  • Die Aktiven im Haus im Viertel treffen sich regelmäßig. Themen waren bisher u.a. Leitbild und Spielregeln für den Umgang miteinander oder Infostände über die Einrichtung auf Flohmärkten (o.ä.).


Finanzierung:

  • Wohnungsbau: Bremer Heimstiftung (durch Eigenmittel und Kredite).
  • Umbau des "Alten Fundamtes": Bremer Heimstiftung (durch Eigenmittel, Kredite, eine Erbschaft und Förderung durch die "Stiftung Wohnliche Stadt"; Re-Finanzierung durch Mieten.
  • Finanzierung der eingesetzten Stellen über den jeweiligen Anbieter, Re-Finanzierung über Grundservicepauschale, Pflegeverträge, Teilnehmerbeiträge, Mitgliedsbeiträge (etc.).


Erfolge

  • Große Akzeptanz im Stadtteil.
  • Verbesserung des Wohnumfelds.
  • Heimaufenthalte werden vermieden.
  • Hohe Zufriedenheit bei Mietern und Angehörigen.
  • Anerkennungspreis beim Werkstatt-Wettbewerb Quartier der Bertelsmann Stiftung und des Kuratoriums Deutsche Altershilfe.

 

Detailinformationen

Hier finden Sie weitere Informationen zum Haus im Viertel der Bremer Heimstiftung.


Kontakt und Ansprechpartner

Bremer Heimstiftung
"Haus im Viertel"
Auf der Kuhlen 1 b
28203 Bremen

Ursula Schnell

Tel. 0421 - 33490

ursula.schnell(a)bremer-heimstiftung.de

www.bremer-heimstiftung.de



Stand: Oktober 2010