Lebensräume für Jung und Alt

Wer aktiv ist, bleibt länger jung. Diese Erfahrung liegt dem Konzept der "Lebensräume für Jung und Alt" zugrunde. Das Wohnkonzept setzt nicht nur auf professionelle Dienstleistungen, sondern auf aktive Nachbarschaft in überschaubaren Wohnanlagen, in denen verschiedene Generationen miteinander leben, sich gegenseitig helfen und für einen abwechslungsreichen Alltag sorgen.
In den letzten Jahrzehnten lässt sich beobachten, dass rüstige, aktive Senioren nicht mehr in ein Altersheim ziehen, sondern so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden verbleiben möchten. Gleichzeitig machen Sie sich heute bereits früher Gedanken darüber, wie sie bei einem generell zunehmendem oder auch plötzlichen Hilfebedarf entsprechende Unterstützung fänden. Wo keine Familienangehörigen zur Verfügung stehen - und dies wird in Zukunft immer seltener der Fall sein - wird professionelle Hilfe durch ambulante Pflegedienste mit den entsprechenden Kosten nötig, selbst wenn es zunächst nur um Kleinigkeiten geht. Zudem spielen Fragen nach der aktiven Gestaltung der freien Zeit in der Lebensphase nach Beendigung des Berufslebens für Menschen zwischen 50 und 60 Jahren eine wichtiger werdende Rolle. Mit den "Lebensräumen für Jung und Alt" hat die Altenhilfe der Stiftung Liebenau ein Modell entwickelt, das auf diese Bedürfnisse antwortet und durch die Quartiersarbeit der Gemeinwesenarbeit in den Wohnmodellen eine Verzahnung mit dem lokalen Sozialraum im umgebenden Wohnquartier sicherstellt.

 
Ausgangslage / Problemstellung

  • Versorgungsmodelle in der Altenhilfe (Betreutes Wohnen, Heimversorgung) bergen viele Nachteile: Passivität der Bewohner, Professionalisierung / Kostenintensität, Separierung der Bewohner etc.
  • Kapazitäten und Kosten sind im Hinblick auf den demographischen Wandel nicht zu leisten.
  • Menschen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren machen sich heute vermehrt schon früh  Gedanken darüber, wie ihr Leben im Alter aussehen soll; hierbei spielen beispielsweise Kriterien wie Kommunikation oder Engagementmöglichkeiten eine immer bedeutendere Rolle.
  • Konkreter Anlass für die Entstehung des ersten Projekts war die Suche nach einer Alternative zu einem nicht realisierbaren Pflegeheimprojekt in der Gemeinde Vogt im Landkreis Ravensburg (Baden-Württemberg).



Ziele

  • Vermeidung der Nachteile von Vollversorgungssystemen durch ein gemeinwesenorientiertes, subsidiär ausgerichtetes Konzept.
  • Generationenübergreifendes Wohnen von Jung und Alt, Begegnung, gegenseitige Nachbarschaftshilfe zur Steigerung des individuellen Mehrwerts und zur Erledigung kleiner Alltagstätigkeiten, Nachbarschaftliches Engagement für ein gesamtes Wohnprojekt (bspw. Caféteam, Hausmeisterteam etc.), Nachbarschaftshilfe ausgehend vom Wohnprojekt in das umgebende Wohnquartier (bspw. durch Kinderbetreuungsangebote).
  • Aktivierung und Förderung von Selbständigkeit, Prävention von Hilfebedürftigkeit.
  • Falls notwendig Versorgung im Hilfe-Mix von Selbst-, ehrenamtlicher und professioneller Hilfe (Bürger-Profi-Mix).
  • Quartiersintegration und Aktivierung kommunalen bürgerschaftlichen Engagements. Volkswirtschaftliche Kostenersparnis durch Prävention und Aktivierung.



Inhaltliche Ausgestaltung

  • Wohnprojekte mit entsprechend differenziertem Wohnangebot.
  • Räume für Begegnung, Beratung, Vermittlung etc.
  • Zentrale Lage im Wohnquartier mit entsprechender Infrastruktur.
  • Professionelle Gemeinwesenarbeit (GWA) und offenes Quartiersmanagement zur Förderung und Moderation der Aktivitäten, Begleitung in und um die Wohnanlagen
  • Finanzierungsmodell sichert Unabhängigkeit der GWA (Sozialfonds, bzw. im weiteren Entwicklungsprozess Einrichtung von  ortsbezogenen Bürgerstiftungen).
  • Interne und externe begleitende Öffentlichkeitsarbeit: Imagebroschüren, Fachartikel, Videos, Buchveröffentlichung.
  • Umsetzung durch barrierefreie Wohnanlagen mit normalen, altengerechten 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen (40 bis 100 Quadratmeter) für junge und ältere Bewohner, Alleinstehende, Paare oder Familien, sowie je einem offenen Treff mit Büro und Gemeinschaftsräumen.
  • Der größte Teil der Wohnungen wird an Privateigentümer verkauft, zur Eigennutzung, als Kapitalanlage oder als Vorsorge für die Zukunft.
  • Ein Kontingent an Wohnungen ist öffentlich gefördert.
  • Zur Finanzierung der Gemeinwesenarbeit haben die Stiftung Liebenau und die jeweilige Gemeinde vor Ort einen Sozialfonds bzw. Bürgerstiftungen gegründet, welcher sich u.a. durch die Verkaufserlöse der Wohnungen speist.



Akteure

  • Altenhilfe der Stiftung Liebenau
  • Kommune
  • Bürgerinnen und Bürger
  • Vereine, Initiativen, Betriebe, Kirchengemeinden etc. im lokalen Sozialraum als Kooperationspartner



Bürgerbeteiligung

  • Themenbezogene Runde Tische für Akteure im Quartier einberufen durch Gemeinwesenarbeit >>> beispielsweise wurde im Rahmen des Weststadtprojekts in Ravensburg ein Runder Tisch für Bürger und Institutionen des Wohnquartiers zum Thema Umgang mit und Hilfe für demenziell erkrankte ältere Menschen im Wohnquartier veranstaltet. Hieraus entwickelte sich ein konkretes Betreuungsangebot für das Wohnquartier Galgenhalde im Zusammenspiel von Profis und Ehrenamtlichen 



Finanzierung

  • Wohnungsfinanzierung über normalen Eigentums-/Mietwohnungsbau (WEG, Generalmietvertrag etc.), Verkauf und Vermietung an Privatpersonen.
  • Investitionen von Stiftung Liebenau und Gemeinden (Wohnungen, Servicezentrum).
  • Gründung einer Bürgerstiftung (ursprünglich Sozialfonds) als Kapitalstock aus Erlös Wohnungsverkäufe, Grundstückswert bzw. Bareinlage der Kommunen.
  • Finanzierung der Gemeinwesenarbeit aus Erträgen dieses Kapitalstocks und Zuschüssen von Stiftung Liebenau bzw. den Gemeinden.



Erfolge

  • Hohe präventive Wirkung hinsichtlich der positiven Gesundheitsentwicklung älterer (hilfebedürftiger) Menschen in den Wohnprojekten
  • Langer Verbleib in der eigenen Häuslichkeit, Vermeidung von Heimeinzug.
  • Viele Auszeichnungen und Preise.
  • Hohe Wirkung der Wohnprojekte in den sie umgebenden lokalen Sozialraum – ins Quartier – hinein durch Quartiersarbeit 



Meilensteine  / Nachhaltigkeit und Verbreitung

  • Erstes Projekt 1995 in der Gemeinde Vogt realisiert.
  • Seither an rund 24 Standorten in Süddeutschland und Österreich realisiert. Weitere Interessensbekundungen
  • Weiterentwicklung des Modells: Weitere Verzahnung sozialraumorientierter Wohnmodelle mit den sie umgebenden Quartieren durch Einbindung von "Lebensräumen für Jung und Alt" in das BMFSFJ-Programm Mehrgenerationenhäuser an zwei Standorten (Ravensburg und Veringenstadt)



Projektstandorte
Hier finden Sie eine Übersicht über die weiteren Projektstandorte "Lebensräume für Jung und Alt"sowie der im Rahmen des BMFSFJ-Programms "Mehrgenerationenhäuser" geförderten Quartiersprojekte der Altenhilfe der Stiftung Liebenau


Detailinformationen
Hier finden Sie weitere Informationen über die Quartiersprojekte der Altenhilfe der Stiftung Liebenau

  
Kontakt und Ansprechpartner

Stiftung Liebenau
St. Anna-Hilfe gGmbH
"Lebensräume für Jung und Alt"
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren-Liebenau
Gerhard Schiele
Telefon: 07542 - 104005
gerhard.schiele(a)st.anna-hilfe.de
www.st.anna-hilfe.de


Ulrich Kuhn
Telefon: 07542 - 101206
ulrich.kuhn(a)stiftung-liebenau.de
www.stiftung-liebenau.de


Stand: Oktober 2010